"Südstadt-Leben braucht Bewegung"

Beitrag von Melanie Lorenz, Stadtteiltreff NaSe anlässlich der Kundgebung zur Freifläche Au-West am 26.7.2020

Die Südstadt ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Es ist mit dem Güterbahnhofsareal ein Quartier mit über 1000 Menschen neu hinzu gekommen. Das Quartier ehemalige Stuttgarter Straße – heute 3-Höfe-Quartier – wurde stark verdichtet. Der Wennfelder Garten wurde nach Abriss neu bebaut – mit Platz für doppelt so viele Menschen wie zuvor. In der Marienburgerstraße/ Diedler Areal wird in den nächsten Jahren ein weiteres neues Quartier entstehen. Die Südstadt wird immer dichter, die Innenhöfe enger. Nicht nur die Straßen und Plätze werden voller, auch die im AK Soziales vertretenen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Stadtteiltreffs, Jugendeinrichtungen haben mehr Besucher*innen.

Es ist für die dicht bebaute Südstadt bislang keine Ausgleichsfläche für Sport, Freizeit und Erholung vorgesehen – und wohnortnah gibt es außer dieser Fläche hier keine geeignete mehr!

Die Südstadt braucht diese Fläche! Denn: Die Südstadt ist im Tübinger Vergleich ein sehr junger Stadtteil. 18 % der Einwohner*innen sind Familien. In der Südstadt leben mehr Kinder und Jugendliche als in jedem anderen Tübinger Stadtteil. Wir wissen auch von den Mitarbeitenden im Jugendhaus Paula, dem Jugendraum Mixed Up und der Hügelschule, das sie seit Jahren erleben, dass den Kindern und Jugendlichen Platz für Bewegung, fürs Rennen, Toben, Kicken oder unbeobachtet Sein fehlt. Kinder wachsen schnell aus dem Alter heraus, in dem die Innenhöfe fürs Spielen ausreichen.

Im Tübinger Sozialbericht wird benannt, dass in der Südstadt besonders viele Menschen von Transferleistungen leben. Das bedeutet auch, dass viele Menschen hier in beengten Wohnsituationen, ohne private Gärten und mit wenig finanziellen Ressourcen für Ausflüge leben. Sie sind noch mehr als andere auf öffentliche Flächen und wohnortnahe, kostenlose Freizeitmöglichkeiten angewiesen.

Als Mitarbeiterin im Stadtteiltreff bekomme ich mit, dass die Innenhöfe für das Miteinander der oft sehr gemischten Nachbarschaften sehr wertvoll sind. Hier findet Begegnung statt und spielt sich viel Leben ab. Entstehen in den Nachbarschaften aber Konflikte wie vielfach erlebt – durch Lärm oder Kicken – so belastet es die ohnehin enge Nachbarschaft enorm. Gute Nachbarschaft funktioniert in den Innenhöfen nur, wenn sie Ort für Vieles sein können, aber nicht Ort für Vieles sein müssen.

Es braucht für den Schutz des sozialen Klimas in der Südstadt einen Ort des Ausgleichs!

In unserer online Petition zum Erhalt der Freifläche formuliert es eine Unterzeichnerin folgendermaßen:

„Wir brauchen nicht nur Wohnraum unter Dächern, sondern auch „Lebensraum“ unter freiem Himmel. Es kann nicht sein, dass die „Wohnraumverdichtung“ explodiert ohne freien Begegnungsraum zu schaffen, der sehr viel zur Lebensqualität und zum sozialen Miteinander beiträgt. Wir Menschen brauchen Bewegung, Begegnung und Belebung der Gemeinschaft und des Gemeinsinns in freien Räumen.“